In den Logen der Macht Opernball 2000. Absagen, Erregungen und blaue Wunder - so wird der Ball: Wer mit wem unverdrossen walzt. Buergermeister Haeupl am Ball Und da gibt es Menschen, die sorgen sich ernsthaft wegen der EU-Sanktionen und verschwenden ihre Gedanken an die Beweggruende von Joerg Haiders Rueckzug zur Ganzjahresfaschingsgesellschaft jenseits der Pack-Bundesstrasse. Wo Oesterreich doch auch ernstliche Probleme zu bewaeltigen hat. Zum Beispiel ist dem Ball der Republik eine der dimensioniertesten Persoenlichkeiten der juengeren Schauspielgeschichte abhanden gekommen: Dolly Buster bleibt daheim, aber nicht etwa wegen Joerg Haider (der einfache Abgeordnete kommt ohnehin nicht), sondern als Opfer der bekannten Tuecke der Maennerwelt. Der anonyme deutsche Gastgeber, so stellte sich heraus, wollte fuer die gebotene Million Schilling Gegenleistungen ueber ihre blosse Begleitung am Tanzparkett hinaus. Diesem unmoralischen Angebot wollte die gern gesehene Menschendarstellerin nun freilich nicht nahe treten. Wahrscheinlich war der Gentleman auch kein Robert Redford. Ein unmoralisches Angebot. Der Himmel schickte kongenialen Ersatz in der Gestalt eines Mannes, dessen politische Gelenkigkeit Dolly Busters physischen Fertigkeiten nicht nachsteht: Fuer 200.000 Schilling hat Peter Sichrovsky - vormals Pressebetreuer der Muehl-Kommune und Bedenk-Profi, heute FP-Europaparlamentarier und daher zur Freude der dortigen Steuerbehoerde in den Vereinigten Staaten ansaessig - eine Loge erworben. In wuerdiger Vertretung von Ziehvater Joerg wird er auf dem allerersten Parkett der Republik den Rechtswalzer drehen. Zum demonstrativen Nachweis von Weltlaeufigkeit und Gesinnungstreue hat sich Sichrovsky neben Gattin Coleen Delegan hochkaraetige Gaeste in die Loge Nr. 4 im dritten Rang geladen: "Ich komme mit Freunden aus den USA und England. Einem namhaften Industriellen aus London, einem Wiedergutmachungsanwalt aus Washington (Anm.: nicht Ed Fagan) und einem schwarzen Buergerrechtskaempfer aus New York. Ich werde die Herrschaften gern auf dem Ball vorstellen." Blauer Elchtest. Eines ist jedenfalls schon klar: Der Opernball wird sich in jedem Fall als Elchtest der blauen Society erweisen. Erstmals werden die FP-Spitzenpolitiker die Gelegenheit haben, sich sonder Zahl in die Reihen der Groessen aus Industrie und Wirtschaft zu mischen. Dass Hobby-Forstwirt Joerg nebst Forstwirtin Claudia den Opernball nicht heimsuchen wuerde, steht seit langem fest. Claudia Haider im Jaenner zu NEWS: "Wir waren nur so lange dabei, wie unsere Toechter im Eroeffnungskomitee mittanzten. Da dies heuer nicht der Fall ist, sehen wir keinen Grund, dort hinzugehen." Die blaue Mannschaft aber laesst er, wie auch im Leben, auftanzen. Wie aus dem Praesidium des Bundeskanzleramtes verlautet, ist - mit wenigen Ausnahmen - fast die gesamte neue Bundesregierung um die ihr zustehenden Ehrenkarten eingekommen: Wolfgang Schuessel wird, entgegen anderslautenden Geruechten, in bewaehrter Eintracht mit Gattin Krista antanzen. Seine Stellvertreterin, Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, tut dem konkursgefaehrdeten Gatten mit Gratiskarten Gutes. Durch Abwesenheit erfreuen: Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ("Ich verbringe meine karge Freizeit lieber anders"), Innenminister Ernst Strasser ("Ich habe mich um die Opernballdemonstration zu kuemmern und muss am naechsten Tag zum EU-Ministerrat) und Infrastrukturminister Michael Schmid ("Ich ziehe einen Ball in der Steiermark vor"). Angelobungsmiene & Flankenschutz. Von der grossen Mittelloge aus werden UHBP Thomas Klestil und Gattin Margot die Eroeffnungspolonaise von Chopin erstmals im Kreis des so hoch adorierten "schwarz-blauen Buergerblocks" geniessen. Gesellschaftsreporter raetseln bereits, ob die steinerne Angelobungsmiene dann wieder Gebot der Stunde sei. Wohl um den sprichwoertlichen Abstand zu gewinnen, kamen Klestil zwei Privatgaeste des Opernballs gelegen: Obwohl keine offiziellen Staatsgaeste, werden nun der Staatspraesident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, und die Gattin seines ukrainischen Kollegen, Ljudmylla Kuchmar, UHBP Flankenschutz geben. Gelebte EU-Osterweiterung. Nursultans Logen-Odyssee. Dass Nursultan, der lebenszugewandte Kasache, letztendlich in der Mittelloge landen wuerde, hat er sich wohl anfangs nicht zu traeumen gewagt. Noch im Jaenner hatte er per Fax ueber bilaterale Kanaele zwischen Alma Ata und Lugner City bei Baumeister Moertel um einen Logenplatz nachgesucht. Im Zuge eines privaten Oesterreich-Urlaubs wuerde er gerne "etwas besonders Schoenes" erleben. Moertel aber, dank Familie und Naddel gut besetzt, musste bedauern. Da sprang der im Osten aktive Industrie-Baron Hannes Androsch ein. Aus seinem Buero verlautete grossherzig: "In einer unserer zwei Logen haben wir sicherlich Platz fuer ihn." Derweilen aber wurde aus bekannten Gruenden die Besetzung der Praesidentenloge immer schuetterer. Und so wurde Nursultan aus der Androsch-Loge als Sampaio-Ersatz zu Klestil in die Mittelloge befoerdert. Nach der Eroeffnung durch die Opernballdebuetanten - unter ihnen die Society-Sproesslinge Daniel Serafin, David Caine-Hall (Sohn der US-Botschafterin), Ursula Fischler (Tochter des EU-Kommissars), Benjamin Spiehs und Georg Guertler - wird der nunmehr ploetzlich heiss begehrte Mann aus dem Osten samt Anhang in der Loge des Ex-Wirtschaftskammerbosses Leopold Maderthaner zwischen Frankfurtern mit Gebaeck (75 Schilling) und Raeucherlachs mit Oberskren (340 Schilling) gustieren. Geschaeftsfreund Androsch will man spaeter beehren. Lugners Busenwunder. Die baumeisterliche Loge, Parterre Nr. 11, ist mittlerweile doppelt prall gefuellt: Neben RTL-Sil-ikone Nadja Abdel Farrag - vom nicht mitreisenden Gefaehrten Dieter Bohlen familienobligat feinsinnig "Naddel" gerufen - soll nun auch Brigitte Nielsen, Exgefaehrtin von Silvester Stallone, zur Verfuegung stehen. Noch dazu unentgeltlich. Der Baumeister, ganz hart am Ziel der Traeume: "Die Nielsen hat bei mir angefragt, ob sie kommen darf. Aber es ist noch nichts entschieden. Meine Frau will das nicht. Das waere ihr zu viel der Busenwunderei!" Die schwedische Plastik-Bombe koennte indes noch anderswo einschlagen. Wenig Chancen trotz reichlich Raum hat sie auf die beiden Logen von Buergermeister Michael Haeupl. Die stehen wegen der EU-Stornos leer: "Normalerweise habe ich immer Kollegen aus EU-Laendern zu Gast. Heuer ist das nicht der Fall. Und auch ich werde nur sehr kurz bleiben." Weniger Probleme hat Amtsvorgaenger Helmut Zilk samt Dagi. Wie schon im Vorjahr wird man auch heuer, nebst Ex-Ballmutti Lotte Tobisch, in Klestils Privatloge unterschluepfen. Unmittelbar daneben: die Loge des gefuerchte-ten Liechtenstein-Treuhaenders Herbert Batliner. Wirtschaft am Ball. Wenn auch das urspruengliche Ballmotto "Portugal" bis auf 15.000 Orchideen und 400 Liter Port- und Madeira-Wein abhanden kam, so wird Guertlers und Holenders Masterplan - die Durchmischung von Kunst, Politik und Wirtschaft - zuletzt doch noch versoehnliche Realitaet. Finanzgroessen wie Magna-Boss Frank Stronach, Visa-Austria-Chef Helmut Nahlik, RZB-General Walter Rothensteiner, Siemens-General Albert Hochleitner, die Familie Ferdinand Porsche-Piech, Wirtschaftskaemmerer Walter Nettig, Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner, Ex-PSK-General Freimut Dobretsberger samt Gattin, der Papierfabrikantin Ira Dahm, sowie Big-Billa-Boss Veit Schalle fuerchten sich nicht vor Schwarz-Blau. Gewohnt spendierfreudig: Casinos-Austria-General Leo Wallner. Nebst Gattin und Kammersaengerin Elisabeth Kales beherbergt man den Suedtiroler Landeshauptmann Alois Durnwalder und Lotterie-Vorstand Friedrich Stickler. Sport-Promotor Volker Schmid beherbergt Musikproduzent Jack White, Alpenrocker Hansi Hinterseer, Elmar Oberhauser, Ex-Tabaktycoon Beppo Mauhart, Goalie Michael Konsel und Sturm-Graz-Praesident Hannes Kartnig ("Dem Klestil gib i ned die Hand"). Medienauftrieb. Positiv fuer die prominente Stammkundschaft: die mangelnde Belaestigung seitens der im Vergleich zum Vorjahr dezimierten Journaille. Zugelassen sind nur noch etwa 100 Medienvertreter. Nicht inklusive: RTL-Chefredakteur Hans Mahr samt Lebensgefaehrtin Katja Burkard. ORF-Chef Weis laesst sich indes im blau-schwarzen Realgetuemmel entschuldigen. Senta Ziegler, Karin Lehner